Jubiläumskonzert zum 25-jährigen Bestehen des NKG-Männerchores – Mit Disziplin und Spaß in die Spitzenklasse gesungen


Mosbach. (bw) Vor ziemlich genau 25 Jahren standen 15 aufgeregte Jünglinge in kurzen Hosen mit dem Song „Lollipop“ erstmals auf der Bühne. Seitdem hat sich beim Männerchor des Nicolaus-Kistner- Gymnasiums in Mosbach viel verändert. Aus den Jünglingen sind zumeist gestandene Männer geworden, die kurzen Hosen sind zum Glück verschwunden. Denn die Kleiderordnung sieht seit 1995 bei offiziellen Auftritten weiße Hemden und schwarze Hosen vor. Und wer im Turnschuhzeitalter die schwarzen Schuhe oder die Fliege am Kragen vergisst, der darf zwar mitsingen, zahlt aber Strafgebühr. Was in erster Linie für den Gesang gilt, gilt eben auch für die Kleiderordnung. Nur gemeinsam sind sie stark, und ohne Disziplin hätten sie es in der letzten Woche nicht bis zur Auszeichnung als bester Männerchor (in der Kategorie unter 40 Personen) in Baden-Württemberg geschafft. Damit verbunden ist ein Ticket zum Bundesentscheid nach Dortmund im Mai 2010. Somit sind die Mosbacher in der „Champions League“ der deutschen Chöre angekommen.
Am Samstag allerdings feierten sich die 27 Männer noch einmal ganz unbelastet mit einem Jubiläumskonzert. Wohl wissend, dass es einer der letzten unbeschwerten Abende angesichts der Herausforderung in Dortmund sein würde. Sie boten den 300 Gästen, darunter zahlreiche eingefleischte Fans, einen musikalischen Rückblick durch ihre Chorgeschichte. Der Funke sprang schnell über im brechend vollen Musiksaal des Nicolaus- Kistner-Gymnasiums. Dass hervorragender Chorgesang geboten wurde, versteht sich von selbst. Doch daneben hatte das Publikum auch noch viel zu lachen. Denn Chorleiter Christian Roos wusste immer wieder launige Anekdoten in seine Ankündigungen einzustreuen. 
Auch der Gründer und langjährige Chorleiter Christof Roos, jetzt Ehrendirigent, verfolgte aus der ersten Reihe mit Vergnügen die Entwicklung seiner Zöglinge. Und als wär’s ein Motto für den Abend, begann der Chor mit „Frisch gesungen“ nach dem Satz von Friedrich Silcher. Sogleich folgten die Pretiosen des Repertoires. „Preparate corda vestra“ von Jacobus Gallus war das Eröffnungsstück beim baden-württembergischen Chorwettbewerb. „The Wanderer“ von Edward Elgar, „Sussuro“ von Angelo Mazza und „Der Weg“ von Herbert Grönemeyer bildeten dann das Meisterchorprogramm. Hier tauchte zum ersten Mal auf dem Programmzettel der dubiose Arrangeur „Aron Schör“ auf. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich ganz einfach Christian Roos. Und wer demnächst tief im Odenwald um Weihnachten zufällig das Lied „Jäger Abschied“ mit dem Text von Joseph von Eichendorff nach einem Satz von Mendelssohn-Bartholdy aus 28 Männerkehlen hören sollte, der muss wissen, dass der Männerchor seine traditionelleWeihnachtsfeier in ländlicher Idylle abhält. Und als Ritual wird genau dieses Stück immer vor der Hütte gesungen.
Bei „Aus der Traube in die Tonne“ von Kurt Lißmann erhielten die Sänger solistische Verstärkung von Referendarin Theresa Freund. Sie spielte dabei auf einer besonderen Violine, nämlich einer aus Kohlefaser. Gebaut wurde sie vom Sängerkollegen Andreas Steiner. Normalerweise stellt er in seiner Firma Formel-1- und Flugzeugmodelle her. Vor der Pause, als die meisten Sänger schon zum Bedienen an die Getränkestände geeilt waren, bot das Vokalquartett mit Erik Burger, Daniel Schienow, Andreas Steiner und Jan Leonhardt sowie Violinistin Theresa Freund mit „Plaisir d’amour“ von J.P.E. Martini noch einmal Plaisir für die Ohren.
Nach der Pause reichte die Bandbreite dann von „Change the World“ von Eric Clapton über die Beatles-Lieder „Blackbird“, „Nowhere Man“ und „Lady Madonna“ bis zu „Mackie Messer“ von Brecht/Eisler. „Mood Indigo“ von Duke Ellington gilt als der „safest song“ im Repertoire des Chores. Er kommt zum Einsatz, wenn keine Noten vorhanden sind.  Hier brillierten Alexander Straus (Falsett) und Holger Engelhard (Bass) als Solisten. Weitere Solisten waren Hans-Christian von Rantzau am Flügel sowie die Tenöre Daniel Frey und Ralf Bahler.
Geschenke zum 25. Geburtstag gab es von Steffen Ellwanger, Chormitglied und zugleich auch erster Vorsitzender des Chorverbandes Mosbach sowie NKG- Schulleiter Hans Happes. Erst nach zwei Zugaben ließ das Auditorium den Chor von der Bühne. Zu mehr ließen sich die Sänger leider nicht erweichen.