Herausragendes Konzert des NKG-Männerchores im heimischen Nicolaus-Kistner-Gymnasium  

Eine bunte Graffiti-Wand, darauf das Motto des Abends: "New Hits in the Block", ansonsten eine leere Bühne und ein wartender Dirigent Christof Roos.

Doch dann kamen sie, angeschlichen von hinten, wie aus dem Nichts, die über 20 Sänger, meist ehemalige, aber auch noch drei aktive Schüler des NKG-Männerchores, kamen zurück an den Ursprung ihrer Sangeskünste, in den Musiksaal des Nicolaus-Kistner-Gymnasiums. Über fünf Jahre hatten sie nicht mehr an ihrer alten Wirkungsstätte gesungen, zogen hinaus in die Welt, Konzerte in Ungarn, Finnland, Spanien und wo nicht überall haten sie gegeben, und jetzt: "Welcome home", so Schulleiter Hans-Jürgen Krauß bei der Begrüßung.

Und wirklich, verdammt gut ist der Chor geworden, die vielen Chorwettbewerbe, das Messen mit Chören aus ganz Europa hat ihn zu einem Klangkörper der besonderen Art reifen lassen. Gestiegen ist aber auch der eigene Anspruch, der Schwierigkeitsgrad einzelner Stücke siedelt wohl in einer anderen Liga als noch vor Jahren.

Vielseitigkeit bleibt dabei die eigentliche Stärke des Chors, von Schumann über Mendelssohn, Spirituals, Billy-Joel-Balladen bis zu Grönemeyer und den Red Hot Chili Peppers reicht das Repertoire. Ohrenschmeichler wie Plaisir d'amour wechselten mit recht kunstvoll-virtuoser Darbietung wie "Hartbeat" oder "Under the Bridge", bei letzteren bei aller Reinheit etwas vorsichtig-zaghaft im Klang, als hätte man noch ein wenig Angst vor der eigenen Courage.

Internationale Erfahrung macht natürlich vielsprachig, auf deutsch, englisch, französisch und ungarisch wurde gesungen, und wenn das nicht half, griff man zur internationalen Musiksprache, da füllte den Raum ein nicht enden wollendes lala, lulu, dum dum und was der Mund sonst noch an parasprachlichen Geräuschmöglichkeiten hergibt.
Wer seitlich vom Chor zum Sitzen kam, war zwar akustisch nicht auf der Sonnenseite, konnte aber ein Schauspiel der besonderen Art beobachten: Christof Roos' Minenspiel beim Dirigieren. Nicht nur Zufriedenheit, nein das Gesicht strahlte mit dem Ton um die Wette, wenn des Klanges Fülle überströmte, und nicht Ärger, nur leises Bedauern, wenn der Zugriff auf einen schwierigen Ton etwas zögerlich kam. Vielleicht ist das das Geheimnis des Erfolges: Der Mann hat nicht nur Freude an der Musik, sondern auch an seinen Musikern.
Zurück an der alten Schule, das heißt, dass man zwischen den Songs auch wieder ein paar Primanerspäße loslassen darf, vornehmlich mit Hüten. Mit Hochhuth und Schlafmütze wurde gespielt, aber auch Blasmusik mit Hut und Gamsbart bei Mendelssohns "Schöner Wald". Na ja, wer's mag.

Nicht ganz passen wollte da aber die etwas künstlich schwäbelnde Einführung zu Eichendorffs "In einem kühlen Grunde", denn zum einen ist die Melodie nicht von Silcher, sondern vom, allerdings ebenfalls schwäbischen Friedrich Glück, zum anderen ist das Gedicht in Heidelberg entstanden, die Wehklage auf ein untreues Mädchen galt einer Badenerin, dem Käthchen Förster aus Rohrbach, in das sich Eichendorff während seiner Heidelberger Studienzeit unglücklich verliebte.
Geboten wurden auch einige solistische Stücke. Herausragend dabei Grönemeyers "Halt mich", von Götz Beuerle so warm im Klang, so ausdrucksstark gesungen, dass man in Versuchung ist zu sagen, Grönemeyer sollte es sich mal anhören, um zu erfahren, wie gut seine Songs sein können.
Happig waren die Eintrittspreise. Wenn ein Chor ein Heimspiel gibt, zurück kommt auf die Bühne, von der er einst gestartet ist, sollte man auch denen den Eintritt leichter machen, die den NKG-Block täglich besuchen. Aber was soll's, dachte man sich wohl, wir kriegen die Hütte auch so voll, und rappelvoll war es wirklich. Es waren aber überwiegend die alte Fangemeinde, aus der sich das Publikum zusammensetzte. Dass, vielleicht als Kompensierung des schlechten Gewissens, die Pausengetränke frei waren, stimmte dann aber wieder versöhnlich.

Erfreulich war insgesamt, dass es wirklich, wie im Konzerttitel angekündigt, meistenteils neue Hits waren, die den alten Freunden geboten wurden, die Entwicklung des Chores bis hin zur Meisterschaft dokumentierend , die allerdings noch keine gelassene ist.
Die ganz große Lockerheit kam erst bei den Zugaben, durch die man es außerdem noch schaffte, den Preis pro Liedvortrag auf unter 50 Cent zu drücken. Da klangen die alten Lieder wieder, remember this, da wurde die Liebe zum Rollbrett singend bejubelt und das Badewasser geschlürft, dass es nur so in den Ohren rauschte. Da ging es rund bis zum unvermeidlich achtfach schäumenden Bier, diesmal mit ungarischer Blume. Allerdings, so könnte man meinen, ist der Chor inzwischen da angelangt, wo ein edler Tropfen trockenen Weines dem Klang ihrer Kehlen gemäßer ist als wild schäumendes Bier.