Volles Haus und volle Begeisterung beim Konzert des NKG-Männerchores

Was sollen wir singen, fragt sich ein Chor, der ursprünglich als Schulchor begonnen hatte, deren Mitglieder aber mit der Zeit die Reife nicht nur schulisch, sondern auch gesanglich bestätigt bekamen, der nun als Konzertchor firmieren darf und sein Publikum erfreuen will?

Der NKG-Männerchor, aus Schülern und Ehemaligen des Nicolaus-Kistner-Gymnasiums zusammengesetzt, beantwortete diese Frage sich und dem Publikum mit zwei begeisternden Konzerten , in denen er einen Querschnitt durch fast alles bot, was Männer zu singen imstande sind. Ein auch in der Zusammenstellung gewagtes Crossover mit Liedern von Isaac bis Schubert, von den Flying Picketts bisAbba, von den Beatles zu den Bläck Föss.

Dieser reiche Querschnitt spiegelt wider die Suche nach einem eigenen Stil. Männerchor im landläufigen Sinne will man natürlich nicht sein, andererseits lassen sich das Ännchen von Tharau und Friedrich Silchers "Frisch gesungen" so herrlich männerchörlich schmettern, also einen Schuß Ironie in den Vortrag, und alles, ja alles war wieder gut.

Schulchor will man natürlich auch nicht mehr sein, dafür ist man nach vielen Jahren gemeinsamen Singens einfach zu gut, eben konzertreif geworden, andererseits vermitteln die alten Songs von Grönemeyer bis Rod-Stewart noch dieses jugendliche Spaß-feeling, daß man unbedingt noch in reifere Chorzeiten hinüberretten möchte.

Daß dies alles zusammen nur schwer zu bekommen ist, war fast exemplarisch bei "I,m sailing" zu hören, das wurde stimmlich und harmonisch so reich, aber doch auch so ernst vorgetragen, daß man sich weniger auf See denn auf der Beerdigung eines alten Weltenseglers wähnte, crossing the Acheron gewissermaßen.

Überhaupt scheint dem Chor vor lauter Musikalität die Lockerheit etwas abhanden gekommen zu sein. In früheren Auftritten verließ kaum ein Ton die Kehle, der nicht auf seine Spaßfestigkeit geprüft war, heuer dauerte es fast bis zur Mitte der zweiten Halbzeit, bis zum "Wasser von Kölle", daß zur Musikalität auch das Lachen dazukam, dann aber war denn kein Halten mehr, auch das Publikum spürte den Funken und der Chor schien endgültig heimzukommen, "wieder hoam nach Fürstenfeld" als Metapher der Selbstfindung.

Aber vielleicht war es auch nur das ganz normale Lampenfieber, das zunächst etwas bremsend wirkte. Selbst der Dirigent Christof Roos wollte zunächst gar nicht auf die Bühne und mußte in einem geschlossenen Behälter reingefahren werden. Oder ist der Eröffnungsgag anders zu deuten? Dann aber lief er zu gewohnter Munterkeit auf, wehenden Haares und Hemdes führte er seinen Chor in ungeahnte Höhen, bei Isaacs "Innsbruck, ich muß dich lassen" gar bis zum Sopran. Das war anstrengend und angestrengt zugleich, aber nicht ganz unpassend bei dem Lied eines Kaisers, der weg muß aus der Heimat, um der Macht zu frönen, und der dabei alles Liebe hinter sich lassen muß, ein Lied eben für Mädchen, die den Theuerdank lesen, da darf es denn auch etwas höher zugehn..

Überhaupt hatte der Chor etwas Probleme mit den Höhen, richtige "Männer" dröhnen halt lieber etwas bassig, auch bei Grönemeier. Das mag daran liegen, daß im Tenor zu viele Blonde waren, was, wie Max Merkel bei Schalke 04 einmal feststellte, zumindest für eine Fußballmannschaft ungut sei, aber wahrscheinlich waren sie einfach zu sehr in der Minderzahl, konnten sich gegen die Dunklen rein quantitativ nicht immer durchsetzen.

Höhepunkte des Programms waren sicher die Lieder, in denen sich Solisten (Ralf Bahler, Markus Bindnagel, Mark Metzger, Claudius Egner, Klaus Darlau) im Wechselgesang mit dem Chor duellierten. Vielseitigkeit bewiesen die Sänger auch mit unterschiedlichen Begleitinstrumenten. Immer wieder trat einer aus dem Chor heraus, um mit Klavier (Daniel Roos), Tuba (Claudius Egner), Gitarren (Dirk Maylandt, Ulrich Zanon) oder Akkordeon (Mark Metzger) den Sound zu stützen. Klaus Darlau gab am Schlagzeug noch den Rhythmus vor, und wenn das nicht mehr half, griff er zur Tröte.

Einen besonderen Leckerbissen bot in der Mitte des Programms noch die choreigene Jazz-Combo. Heiko Roth (alt-sax), Marten Bendtfeldt (ten-sax), Andreas Eibner (pos), Daniel Roos (piano), Erich Lohnert (e-baß) und Klaus Darlau (dr) heizten mit Stücken von Glenn Miller bis Stevie Wonder so sehr ein und die Stimmung an, daß der Chor anschließend Mühe hatte, das Publikum wieder mit Schubert zu erbauen. Aber es war eben diese Vielseitigkeit der 30 Männer mit ihrem Dirigenten, die bisweilen für harte Übergänge sorgte, aber in erster Linie dem Publikum einen Abend bot, an dem Genuß und Spaß mit der Musik im Gleichklang lag. Zugaben sonder Zahl forderte das begeisterte Publikum, aber mit der letzten gebotenen, dem vielstimmigen "Bier hat ein wunderschön Schaum" deutete der Chor an, daß er jetzt Wichtigeres zu tun hatte. Zum Wohle!