Der NKG-Männerchor machte auch im hohen Norden wieder Furore 

Mosbach/Tampere/Helsinki (r-dr). Mittlerweile wäre es im Männerchor des Nicolaus-Kistner-Gymnasiums fast „against the law“, in einem Jahr mal nicht ins Ausland zu fahren, um dort den musikalischen Horizont zu erweitern. In diesem Jahr stand mit der Teilnahme am renommierten Vocal Music Festival von Tampere/Finnland zum ersten Mal ein nordeuropäisches Land auf dem Reiseplan.

Zunächst residierte der Chor in Helsinki. Highlights war sicherlich das Fußballspiel Finnland-Deutschland im Olympiastadion, woran sich für 12 Chormitglieder noch eine Einladung ins Aktuelle Sportstudio des ZDF anschloss. Da an allen drei Tage schönes Wetter war, konnten die Männer vieles besichtigen, z.B. die dem Hafen vorgelagerte Festungsinsel Suomenlinna oder die Tempelliaukkio-Felsenkirche. Großen Anklang fand auch das Langzeitfußballspiel des Chores (100 min. ohne Pause), dem sich einige junge Finnen gerne anschlossen. Und bei fehlender Dunkelheit (ein sommerbedingtes Phänomen in diesen Breiten) wurden natürlich die Nächte zu diversen Feierlichkeiten genutzt...

Quer durch die finnische Wald- und Seenlandschaft gelangte der Chor dann per Zug ins 170 km nordwestlich der Hauptstadt gelegene Tampere. Gewisse ästhetische Mängel dieser Industriestadt (im Vergleich zum grünen Helsinki) waren schnell vergessen, als sich das Programm des Festivals als Aneinanderreihung kultureller Glanzlichter herausstellte. Zu günstigen Preisen gab es einige der besten SängerInnen von der Welt zu hören (Kammerchor Stuttgart, Misia, Rajaton, Armacord, Sweet Honey in the Rock u.v.m.). Zudem lief über vier Tage der Chorwettbewerb, der ja eigentliches Reiseziel gewesen war und mit 67 Chören aus 15 Ländern einige interessante Musik zu bieten hatte. Der NKG-Männerchor war als einziger mitteleuropäischer Chor eine Rarität und wurde sogar mit einer ganzseitigen Reportage in Finnlands zweitgrößter Abendzeitung, dem „aamulehti“ bedacht.

Schon in Helsinki hatte Chorleiter Christof Roos seine Männer jeden Tag zu einer einstündigen Probe zusammengerufen, um das Wettbewerbsrepertoire zu festigen und den drei Gastsängern genug Möglichkeit zur musikalischen Integration zu bieten. Die „Generalprobe“, ein Begegnungskonzert unter freiem Himmel, verlief laut Roos „fast zu gut“.

Der Wettbewerbsauftritt fand im Großen Saal der Tampere Hall statt, dessen Akustik trotz seiner Größe als phänomenal bezeichnet werden kann. Der Chor begann mit „Veris dulcis in tempore“ von Orlando Dipiazza (Solo: Dieter Kessler). Danach folgte mit „Die Nacht“ von Franz Schubert einer der Klassiker deutscher Männerchorliteratur. „Kein Schwein ruft mich an“ (Solo: Daniel Roos) und das monumentale „Ol’ man river“ (Solo: Klaus Darlau) komplettierten das viertelstündige Programm. Die 24 Männer konnten mit ihrer Leistung insgesamt sehr zufrieden sein, technisch und intonatorisch; zudem war das oft angemahnte „feeling“ deutlich zu spüren. Zwei Tage später sang der Chor in der Kathedrale von Tampere beim eine ganze Nacht dauernden „Chormarathon“. Die Form, in der sich die Mosbacher bei ihrem Auftritt um 5.30 morgens (!) zeigten, ist ein weiterer Beweis dafür, dass der Chor in der Lage ist, professionell zu arbeiten.

Leider wurden die beim Wettbewerb gezeigten Leistungen nicht ganz wie erwartet honoriert. Eine dreifache Bronzemedaille, also ganz knapp am Silber vorbei, wurde den Männern aus Baden zuerkannt – für manchen Sänger nach der letztjährigen Goldmedaille von Riva del Garda eine herbe Enttäuschung. Doch der 1. Vorsitzende Jan Leonhardt machte seinen Jungs klar, dass man die etwas ungerechte Platzierung als Chance begreifen müsse, „so können wir uns im nächsten Jahr wieder steigern und laufen außerdem nicht Gefahr, satt zu werden.“ 2002 wird der NKG-Männerchor wahrscheinlich ins ungarische Debrecen fahren. Dirigent Christof Roos und die Vorstandschaft wollen verstärkt wieder jüngere Schüler ins Chorgefüge einbinden, um dem Männerchor noch viele weitere Jahre auf der gelungenen Gratwanderung zwischen musikalischer Leistung und Spaß zu ermöglichen.